Am 28. April hat die Eggersmann Gruppe ihr 75. Jubiläum begangen – passend zu diesem Anlass wurde dabei mit dem Energiewerk in Nieheim das bisher größte Eigenprojekt der Firmengeschichte eingeweiht. Zu dem Doppelevent kamen nicht nur Geschäftspartner aus dem In- und Ausland, sondern auch Vertreter aus der Politik. Neben einem Grußwort von Landtagspräsident André Kuper (NRW) sowie einer Rede von Bürgermeister Johannes Schlütz (Nieheim) hielt Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar einen Vortrag über die Zukunft unserer Gesellschaft. Gleichzeitig nutzten die Geschäftsführer Karlgünter Eggersmann und Thomas Hein außerdem die Gelegenheit, um erneut Ihr Bedauern über den Austritt von Flüssiggärrest am 15. April auszudrücken.


„Das ist heute für mich ein ganz besonderer Tag,“ erklärt Karlgünter Eggersmann als Geschäftsführer der Eggersmann Gruppe. „Seit über 40 Jahren leiste ich meinen Beitrag für unser Unternehmen und was gibt es schöneres, als im Kreise seiner Familie sowie langjähriger Wegbegleiter eine erfolgreiche Vergangenheit durch einen Meilenstein für die Zukunft zu begehen? Die Einweihung dieses in dieser Form einzigartigen Energiewerkes führt uns allen vor Augen, dass unsere tagtäglichen Mühen Früchte tragen – gleichzeitig erinnert uns das Firmenjubiläum an den langen Weg, der zum Erreichen eines solchen Projektes notwendig war.“ Karlgünter Eggersmann ist der Enkel von Karl Fechtelkord. Dieser hatte 1951 eine Bauunternehmung gegründet. Nach seinem frühen Tod und der Heirat seiner Tochter Johanna mit Antonius Eggersmann ist aus diesem Betrieb der heute in ganz Ostwestfalen bekannte Generalunternehmer Fechtelkord & Eggersmann geworden. Aus Fechtelkord & Eggersmann ging wiederum die heutige Eggersmann Gruppe mit ihren drei Geschäftsbereichen »bauen«, »recyceln« und »kompostieren« hervor.
Eines der Tochterunternehmen ist seit 1992 KOMPOTEC, dessen Energiewerk in Nieheim am selben Abend mit einem symbolischen Akt eingeweiht wurde. Den Standort hatten Eggersmann Anlagenbau und BEKON mit der Hilfe von Fechtelkord & Eggersmann sowie von BETONT in den letzten zwei Jahren von einer Kompostierungsanlage zu einem hochmodernen Energiewerk umgebaut – bei allen vier handelt es sich um Unternehmen der Eggersmann Gruppe. Das Werk dient den beiden weltweit aktiven Generalunternehmern Eggersmann Anlagenbau und BEKON als Musterbeispiel für potenzielle Kunden: Hier werden sie fortan live präsentieren, wie die Transformation vom Entsorgungsdienstleister zum Energieversorger aussehen kann.
Das Konzept hinter dem Energiewerk ist ein kombinierter Einsatz von Bioabfallvergärung, Photovoltaik und Windkraft, dessen Herz der neue BEKON Durchlauffermenter mit besonders hohem Biogasertrag darstellt. Neben Strom für tausende von Haushalten wird so grundlastfähig und exportunabhängig Biomethan (biogenes Erdgas) für das öffentliche Netz produziert. Dazu wird das durch die Vergärung des Bioabfalls gewonnene Biogas noch einmal speziell aufbereitet. Ein KI-gesteuertes Energiemanagement sorgt für einen völlig autarken Betrieb des Werkes. „Das Prinzip der Bioabfallvergärung ist nicht neu, trotzdem hat es sich ungeachtet all seiner großen Vorteile bisher nicht in dem gewünschten Maß flächendeckend etabliert,“ führt Geschäftsführer Thomas Hein aus. „Selbst in Deutschland werden viele Bioabfälle einfach nur kompostiert, obwohl die Vergärung die spätere Kompostqualität nicht vermindert. Damit wird ein wichtiger regenerativer Energieträger ignoriert. Mit unserem Leuchtturmprojekt in Nieheim wollen wir das hohe ökonomische Potenzial aufzeigen und noch mehr Kompostwerkbetreiber für dieses Prinzip gewinnen. Sie können einen bedeutenden Beitrag zum Erfolg der Energiewende leisten.“


NRW-Landtagspräsident Kuper nutzte die Gelegenheit des Firmenjubiläums, um die Bedeutung von Mittelständlern wie Eggersmann für die deutsche Wirtschaft hervorzuheben: „Es zeigt wieder einmal in aller Deutlichkeit: Es sind häufig die mittelständischen Familienunternehmer, die große Visionen entwickeln und das Rückgrat der Wirtschaft bilden.“ Gleichzeitig zeigte er sich von dem Ansatz des Energiewerkes beeindruckt: „Wenn ökologische Energie-Lösungen auch noch wirtschaftlich sinnvoll sind, kann man von gelungenen Synergien sprechen.“ Bürgermeister Schlütz von Nieheim zeigte sich begeistert von dem Energiewerk, verwies in Anbetracht der jüngsten Ereignisse aber auch auf die Verantwortung, die mit dem Betrieb einer solchen Anlage einhergeht: „Dieses Energiewerk steht für Innovation und enormen unternehmerischen Mut. Die hier umgesetzte Kombination umweltfreundlicher Prozesse zur Energieerzeugung und die dabei erreichte Dimension des Energiewerks sind außergewöhnlich und richtungsweisend. Gleichzeitig sind wir alle gemeinsam in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass mögliche Risiken dieser Großanlage auf ein Minimum begrenzt werden und unsere Umwelt – gerade auch die Emmer – dauerhaft geschützt bleibt.“
Am 15. April war es aufgrund eines Lecks an einem Lagerbehälter für Flüssiggärreste zu einem Feuerwehreinsatz gekommen. „Zu unserem großen Bedauern hat die Dichtung an einer Einstiegsöffnung versagt – es handelt sich dabei um eine standardmäßige Abdichtung. Wir haben diese unter Aufsicht des TÜVs durch den Hersteller ersetzen lassen und außerdem in Abstimmung mit dem TÜV eine mechanische Verstärkung an den Dichtungen beider Behälter angebracht. Der Vorfall kann sich so nicht mehr wiederholen,“ erklärte Hein. Im Zuge der Leckage hatte ein Teil des Flüssiggärrestes das Betriebsgelände trotz Auffangsystemen verlassen. Der Gärest aus dem Lager wird als natürlicher Bodenverbesserer Landwirten zur Verfügung gestellt. Er ist dabei mit Gülle vergleichbar, aber rein pflanzlichen Ursprungs. Zwar wurde der Großteil mit Hilfe der Feuerwehr in einen redundanten Behälter gepumpt, allerdings kam es dennoch zu einer Verunreinigung des Flusses Emmer. „Was in Nieheim passiert ist, schmerzt uns sehr,“ betont Eggersmann. „Wir wollen die Umwelt durch unser Werk schützen und aktiv zu einer saubereren Zukunft beitragen.“ Gleichzeitig bedankte er sich bei allen Beteiligten: „Ich war selbst während des Einsatzes vor Ort und die Feuerwehr unter der Leitung von Herrn Dierks-Lünz hat wirklich hervorragende Arbeit geleistet. Vielen Dank für Ihre Hilfe.“
Im Anschluss an das Doppelevent am 28. April ist für den 1. Mai außerdem ein Tag der offenen Tür für die die breite Öffentlichkeit angekündigt. An diesem können alle Interessierten sich über das Werk informieren und sich eine Auswahl mobiler Recyclingmaschinen von Eggersmann live ansehen. Außerdem gibt es auch eine Hüpfburg sowie eine Fußball-Dartscheibe für Kinder. Speisen und Getränke können an Imbisswagen erworben werden. Der Tag der offenen Tür geht von 10 bis 18 Uhr. Als Vorsichtsmaßnahme nach der Leckage hat die Bezirksregierung jedoch einen Mindestabstand vom Werk vorgeschrieben, sodass die ursprünglich geplanten Besichtigungen nicht möglich sein werden – an dem Tag der offenen Tür möchte Eggersmann trotzdem festhalten: „Das Areal ist groß und wir werden alle Interessierten gerne auf anderem Wege über das Werk informieren. Außerdem haben wir noch unsere mobilen Recyclingmaschinen – die sind allein schon eine echte Attraktion.“